Das Image-Problem der Geburt

Immer wieder werde ich etwas irritiert angeschaut, wenn ich betone, wie sehr ich mich auf die Geburt freue, da sie etwas ganz wunderbares sei.

„Hast Du denn keine Angst?“
„Das tut doch so weh?!“

Die beiden Sätze folgen dann oft.
Oder mir wird erklärt, meine Angst werde schon noch kommen, wenn ich erstmal so weit sei.

Es scheint so, als gehöre die Angst fix dazu, sonst mache man etwas falsch.
Natürlich ist man aufgeregt und macht sich Gedanken zur Geburt. Wäre ja absurd, würde einen das komplett kalt lassen.

Für Angst gibt es aus meiner Sicht aber keinen Grund. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass Ängste unberechtigt sind und ich Frauen, die sie haben, nicht verstehe. Und natürlich gibt es individuell immer wieder Randbedingungen, die eine einfache Geburt erschweren und somit logischerweise Ängste verstärken. Ich möchte mit diesem Beitrag auf keinen Fall Ängste herunterspielen, bitte nicht falsch falsch verstehen!

Wie oft hört man schöne Geschichten zur Geburt? Meistens wird erzählt, dass es lange gedauert habe, eine Kampf war und irgendjemand hat immer Qualen leiden müssen. Entweder die Mutter, das Kind oder der Vater, der tatenlos zusehen musste.
Diese Geschichten erzählen sich anscheinend besser als die guten und verbreiten sich auch entsprechend. Wir assoziieren somit von Haus aus primär Schmerzen mit der Geburt, weil wir das immer und immer wieder hören. Also fürchten wir uns vor diesen Schmerzen, auch wenn wir natürlich hoffen, dass es bei uns nicht so schlimm werden wird. Die Angst schwingt unterbewusst aber immer mit.

Diese Angst findet aber nicht nur im Kopf statt, sondern sie breitet sich im ganzen Körper aus, so dass dieser verkrampft und genau das beschert, wovor wir uns am meisten gefürchtet haben: Schmerzen!

Beim HypnoBirthing-Kurs, auf diesen ich in späteren Beiträgen noch eingehen werde, wurde uns hierfür ein sehr gutes Beispiel gebracht:
Man stelle sich eine Antilope vor. Diese Antilope ist gerade dabei ihr Junges zu bekommen. Die Geburt beginnt und plötzlich entdeckt sie einen Löwen. In ihr kommt Panik auf, weil sie weiß, wenn sie nicht sofort flüchtet, wird sie sterben. Sie und ihr Junges. Diese Panik führt zu einem Schutzmechanismus in ihrem Körper, der sofort die Geburt stoppt und alle verfügbaren Ressourcen zur Flucht bereit stellt.
Und genau das passiert im menschlichen Körper bei Angst auch. Der Körper versucht die Geburt zu verhindern, weil er die Situation für unpassend erachtet. Der Körper kann nicht unterscheiden, ob wir nun Angst haben, gefressen zu werden oder die Angst der Geburt selbst gilt.

Nicht in jeder Kultur wird ein Geburt unter dem Aspekt des Schmerzes betrachtet wie bei uns, sondern sie ist ein Grund zur Freude, ein Fest. Die gesamte Familie kommt zusammen und blickt dem Ereignis freudig entgegen. Die Kinder erleben von klein auf, wie wunderbar eine Geburt ist, dass sie Anlass zum Feiern gibt und Menschen glücklich macht und entwickeln eine entsprechend positive und optimistische Einstellung dazu.

Und da liegt meiner Meinung nach das Problem, die Geburt hat in unseren Breitengraden einfach ein schlechtes Image und das führt dazu, dass sich zu den normalen Ängsten einer werdenden Mutter die Vorurteile der Bevölkerung mischen.

Mir ist bewusst, dass selbst die angstfreiste Einstellung zur Geburt kein Garant für eine leichte und einfache Geburt ist. Dafür spielen da zu viele Faktoren zusammen, aber auf jeden Fall hilft einem die Angst nicht weiter. Sie nimmt einem etwas, nämlich die große Freude auf das wohl wunderbarste dieser Welt: Die Geburt, die einem das geliebte Kind beschert!

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