Goodbye Vienna 2016!

Nachdem mich ein kaputtes Sprunggelenk zum Rumliegen zwingt, kann ich wenigstens die Zeit nützen und mal wieder etwas bloggen. (Ja, ich versuche mir gerade die Verletzung schön zu reden, aber was bleibt mir denn schon übrig? Vom Jammern wird es bekanntlich nicht besser.)

Wie einige vielleicht schon wissen, war Wien für mich nie als Endstation gedacht. Im April werden es drei Jahre, dass ich hier in der Riesenradmetropole bin und eigentlich war der Aufenthalt für ein bis zwei Jahre gedacht, aber es kommt immer anders, als gedacht und so machte mir meine bessere Hälfte einen Strich durch die Rechnung. Nachdem man den Herzmann nur schwer alleine in Wien zurücklassen und ihn nicht noch schneller durch sein Studium jagen kann, bekam Wien zunächst einmal eine Verlängerung.

Das Ende der besagten Verlängerung wurde vor rund zwei Wochen beschlossen. War vor einigen Monaten nur das Jahr – 2016 – fixiert, steht nun auch der grobe Zeitraum, Februar bis April, fest. Rund ein Jahr also noch! Klingt viel, aber so ein Jahr ist schneller weg, als gedacht!

Das Wann zu definieren war die leichtere Übung, schwieriger war da schon das Wohin? Wo fängt man zu suchen an, wenn man mehr oder weniger freie Wahl hat? Zumindest war uns gleich klar, dass wir in Österreich bleiben wollen, okay, Bayern wurde auch ein paar mal diskutiert, aber ferne Länder standen nicht zur Debatte.

Wir sind mit der Frage, „was wollen wir?“, an die Sache herangegangen.
Wie soll sich unser Alltag gestalten?
Was ist uns wichtig?
Wie sieht der ideale Feierabend aus?

Diese Fragen klingen banal, aber versucht sie mal ehrlich für Euch zu beantworten. So einfach ist das nicht, oder?
Nach langem Hin und Her blieben dann unsere beiden Heimaten, Graz und Pinzgau über. Keine andere Destination konnte einen Mehrwert, den ein bestehender Freundes- und Bekanntenkreis bietet, aufbringen. Dazu hätten die Jobs und die Umgebung deutlich besser sein müssen. Warum irgendwo neu anfangen, wenn man nichts davon hat bzw. man nicht muss? Nun konnten wir uns sehr lange nicht entscheiden, was besser sei. Im Endeffekt haben wir dann die beiden Regionen nach vier Hauptkriterien beurteilt, weil die abertausenden Details haben wir in vielen Gesprächen, auch mit Freunden, durch besprochen und konnten wir nun einfließen lassen.

1. Freizeit: Was kann ich machen? Wie vielseitig ist das Angebot? Fehlt mir etwas?

2. Job: Wieviele Jobs gibt es? Wie attraktiv sind sie? Kann ich mich weiterentwickeln? Wie groß ist die Konkurrenz?

3. Netzwerk: Wie verlässlich und beständig ist der bestehende Freundes- und Bekanntenskreis? Wie gut kann ich Connections nutzen?

4. Finanzielles: Was kostet das Leben? Miete, Lebensmittel, Restaurantbesuche? Was ist zusätzlich nötig, wie beispielweise ein Zweitauto.

Der erste Punkt ging deutlich an den Pinzgau. Als naturverbundene und sportbegeisterte Menschen haben wir dort einfach viel mehr Möglichkeiten. Auch die Landschaft bietet uns mehr Erholung als die in Graz und der Zellersee hat für uns einen sehr hohen Stellenwert, denn wir lieben Wasser! Museen und Konzerte besucht man ohnehin nicht täglich und dafür kann man auch mal nach Salzburg fahren oder ein Wochenende in Graz verbringen.

Der zweite Punkt ging knapp an Graz. Zwar ist das Jobangebot dort größer, aber dafür auch die Konkurrenz. Die richtig coolen Projekte findet man außerhalb von Wien ohnehin nur sehr selten und das Lohnniveau ist in Graz auch nicht gerade berühmt. Wenn man sich weiterbilden möchte, passiert das ohnehin meist am Wochenende oder tageweise, so dass man sich ohnehin frei nehmen muss dafür, weswegen das nicht gerade am Wohnort sein muss, wenngleich es da natürlich einfacher wäre. Unterm Strich ergab es zwar ein leichtes Plus für Graz, aber eine klare Sache, wie anfangs gedacht, war das nicht.

Punkt drei ging wieder eindeutig an den Pinzgau. Der Freundeskreis dort passt einfach, dem muss man nichts hinzufügen. Und auch glauben wir, dass wir über das bestehende Netzwerk fort in puncto Job- und Wohungssuche eher Vorteile haben als in Graz.

Punkt vier ging klar an Graz. Von den Mietpreisen her dürften sich die beiden zwar die Waage halten, dafür ist Graz sonst schon um einiges günstiger. Schon alleine, weil man ganz sicher mit nur einem Auto auskommt, was im Pinzgau nicht gegeben sein muss.

Ergab also ein 2:2 mit einem schwachen Punkt von Graz und einem Bauchgefühl, das beim Pinzgau einfach die Spur besser war, so dass es der Pinzgau wurde. Zumal uns die Punkte Freizeit und Netzwerk die wichtigeren sind. Klar, man braucht einen Job und der soll Spass machen, einen fordern und fördern, aber wir sind keine Menschen, die sich nur über ihre Arbeit definieren. Einen Job kann man außerdem viel leichter verändern, wenn er nicht passt, als das Umfeld. Beim Finanziellen ist es einfach nur wichtig, dass es leistbar und möglich ist. Außerdem kann es gut sein, dass das Leben im Pinzgau unterm Strich gar nicht teurer kommt, da man im Alltag genug Ausgleich findet, so dass man sich z.B. einen Urlaub spart.

Ich denke, es gab in dem Fall ohnehin keine falsche Entscheidung, sonst hätten wir nicht so lange mit uns gerungen. Außerdem kann man immer noch umziehen, sollte es auf Dauer aus irgendeinem Grund nicht funktionieren. Wir ziehen zwar mit der Einstellung, dass es für immer (also die nächsten 20 Jahre, weiter will ich erst gar nicht denken) sein wird, hin, weil es sonst zum Scheitern verurteilt ist, wenn ich immer im Hinterkopf habe, gleich wieder wegzugehen, aber man weiß ja eh nie, wie es wirklich kommt.

Ich habe erst in den letzten beiden Wochen bemerkt, wie wichtig es für mich war, dass eine Entscheidung getroffen wird, denn ich bin jetzt sehr erleichtert. Ich habe nun ein Ziel, auf das ich hinarbeiten und auf das ich mich freuen kann. Seit ein paar Tagen beginne ich alles auch erst so richtig zu begreifen. Es wird mir langsam klar, dass meine Herzstadt Graz weiterhin ein Ort für Besuche und viele Erinnerungen bleibt und nicht mehr, aber Graz wird es mir verzeihen, ich werde es ohnehin regelmäßig besuchen!

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