Kinderwunsch – zwischen Hoffnung und Verweiflung

Wie vielleicht schon einige mitbekommen haben, bin ich schwanger. Ich bin aktuell in der 15. Woche und es sieht alles sehr gut aus. Wir sind überglücklich und können es kaum erwarten, unseren Schatz in den Armen zu halten. Bis ca. Weihnachten müssen wir uns aber noch gedulden.

Aber heute möchte ich nicht direkt über meine Schwangerschaft berichten, sondern über den Kinderwunsch davor. Ich möchte über Ängste und Sorgen sprechen. Über Hoffnung und Verzweiflung. Ich möchte über ein Thema sprechen, das gerne totgeschwiegen oder schön geredet wird – über eingeschränkte Fruchtbarkeit. Der Text ist sehr persönlich und auch sehr lange, zeigt aber trotzdem nur einen Bruchteil davon, wie es mir in den letzten Monaten gegangen ist. Ich hoffe mit dem Beitrag dem einen oder anderen ein wenig die Augen zu öffnen und Personen, denen es ähnlich gehen mag, etwas Hoffnung zu geben.

Dass wir Kinder wollen, war uns immer klar und mit letzten August wussten wir, dass die Zeit dafür gekommen ist und wir mit September zum Basteln beginnen würden. Wir waren voller Euphorie und auch voller Naivität, weil wir dachten, es würde sicher bald klappen. Diese Naivität wurde von zahlreichen „es hat im 1. Übungszyklus geklappt“ – Berichten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis bestärkt und so waren wir überzeugt, in längstens drei Monaten auch froher Hoffnung zu sein. Ich möchte diese Naivität nicht verurteilen, im Grunde ist sie sogar gut, denn sie stimmt einen optimistisch.

Doch recht bald schlich sich in mir das komische Gefühl ein, dass etwas mit mir nicht stimme. Meine Periode hatte sich in den letzten beiden Jahren verändert, war schwächer geworden und ich hatte häufig starke Schmerzen in der 2. Zyklushälfte. Ich habe über meine Sorgen mit meinem Partner und mit Freunden besprochen und sie haben mich beruhigt, mir gesagt, ich solle doch Geduld haben. Zunehmend fühlte ich mich weniger verstanden, meine Sorgen schien niemand ernst zu nehmen. Es war ja nicht die Ungeduld, sondern die andauernden Schmerzen, die mich zweifeln ließen und so ging ich im Dezember zum Gynäkologen und berichtete ihm von meinen Sorgen. Er nahm mir Blut ab und diagnostizierte schließlich PCOS – Polyzystische Ovar-Syndrom – eine Störung der Eizellreifung, deren Ursache bis heute nicht wirklich geklärt ist. Er äußerte den Verdacht einer Insulinresistenz (IR), die damit häufig im Zusammenhang steht, und verschrieb mir ein Medikament gegen die IR. Das sollte sich positiv auf meinen Hormonhaushalt auswirken.
Er schien sehr positiv, dass diese Behandlung bei mir bald anschlagen würde. Meinen zu hohen Schilddrüsenwert tat er mit der Begründung, dass das alles zusammenhänge und auch der in Folge fallen würde, ab. Untersucht hat er mich nicht. Aber ich war in dem Moment so überrumpelt von der Diagnose, dass mir das gar nicht weiter komisch vorkam.

Auf der einen Seite war ich natürlich geschockt. Die Diagnose bedeutete, dass ich eingeschränkt fruchtbar war, dass es sehr lange dauern könnte, bis ich schwanger werde oder es vielleicht nie klappen würde. Die Angst war groß! Auf der anderen Seite war ich froh, denn endlich wusste ich, was mit mir los ist. Endlich wurde mir gesagt, dass ich mir das alles nicht einbilde, dass mein Gefühl recht gehabt hatte und etwas nicht mit mir stimmt.
Ich recherchierte fleißig im Internet, was man noch gegen PCO machen könnte und stieß auf die LOGI-Ernährung, die ich ja bereits in anderen Beiträgen erwähnte habe. Weiters baute ich mein Sportprogramm um. So hatte ich da Gefühl, aktiv etwas beizutragen und mich nicht nur auf die Medikamente zu verlassen.

Ich leide schon seit ich 14 bin immer wieder an Depressionen. Sie sind einmal stärker, einmal schwächer. Seit gut einem Jahr befinde ich mich (wieder) in Therapie. Wie man sich denken kann, verbesserte sich meine Situation durch den unerfüllten Kinderwunsch nicht. Es war nicht das Warten, das mich fertig machte, sondern diese Ungewissheit. Diese riesige Angst, vielleicht nie Mutter zu sein. Ich wusste, dass ich nicht stark genug bin, Jahre zu warten und zu hoffen und ich bewundere immer noch die Frauen, die auch nach vielen Jahren die Hoffnung nicht aufgeben und für ihr Wunschkind kämpfen! Jeden Monat hoffte ich, wollte aber nicht zu sehr hoffen, in der Sorge, dass die Enttäuschung dann noch größer sei. Ich gestand mir ein, dass ich ein jahrelanges vergebliches Warten nicht ertragen und daran zerbrechen würde und somit hatte ich nicht nur panische Angst, nicht schwanger zu werden, sondern auch Angst vor meiner mangelnden Stärke. Angst, den Kinderwunsch irgendwann aufgeben zu müssen, psychisch einfach nicht mehr zu können.

Die Wochen vergingen und ich wurde bezüglich der Diagnose immer skeptischer. Die Tatsache, dass die Diagnose nur anhand von !2 Blutwerten gestellt wurde, ließ mir keine Ruhe und ich machte mir im März einen Termin beim Endokrinologen aus. Dieser zweifelte PCO an, meinte, ich sei nicht der Typ dafür (95 Prozent aller Frauen, die an PCO leiden, haben einen BMI jenseits von 27) und setzte das Medikament gegen die Insulinresistenz wieder ab, stattdessen bekam ich etwas gegen meinen zu hohen Schilddrüsenwert. Auch er schickte mich zu Blutuntersuchung – die Werte hatten sich unter dem Medikament nicht verbessert und wie von ihm vermutet, war mein Testosteronspiegel nicht erhöht (bei PCO ist der Wert oft erhöht). Ich sollte meine Periode abwarten und am 5. Tag des nächsten Zyklus würden weitere Hormonwerte bestimmt werden. Anhand derer, würde er mir mehr sagen können. Ich war erstmals seit Monaten wieder etwas zuversichtlicher, weil ich die Hoffnung hatte, dass nun endlich geklärt werden würde, was die Ursache für meine Fruchtbarkeitsstörung sei.
Parallel dazu suchte ich mir einen neuen Gynäkologen und bei dem war ich dann am 1.4. Leider bekam ich dort nicht das zu hören, was ich hören wollte, sondern er bestätigte die Diagnose PCOS – meine Eierstöcke waren von zahlreichen Zysten übersäht, was bedeutete, dass die Eibläschen bei mir häufig nicht explodieren, sondern implodieren, also kein Eisprung stattfindet. Der Arzt erklärte mir, dass es bei mir zwar nicht stark ausgeprägt sei, eine Schwangerschaft ohne Stimulation aber nicht möglich sei und verschrieb mir ein Medikament zur Stimulation, was ich ab dem nächsten Zyklus nehmen sollte.
Wieder stand ich in dem Zwiespalt zwischen Niedergeschlagenheit aufgrund der Diagnose und Hoffnung, dass mir nun geholfen werde. Die Ergebnisse unter dem Stimulationsmedikament waren laut Statistik nicht schlecht, aber auch nicht berauschend und es galt abzuwarten, wie mein Körper darauf reagiert – nicht bei jedem wirkt das Medikament.

Zu Ostern waren wir bei meinen Eltern in der Steiermark und erstmals war ich wirklich optimistisch. Ich hatte wieder Vertrauen in meinen Körper. Ich wusste, dass er es schaffen würde, schwanger zu werden, wenn ich ihm dabei unterstütze. Es fiel eine riesen Last von mir!
Außerdem beschloss ich, zu einer TCM (Traditionell chinesische Medizin) Ärztin zu gehen.

Ich wartete also erstmals in meinem Leben freudig auf meine Periode, denn im nächsten Zyklus sollte nicht nur mein Blut untersucht werden, sondern auch die Stimulation starten.
Doch etwa ab dem 10.04. kam mir alles komisch vor. Ich hatte nicht das Gefühl, dass meine Periode bald kommen würde. Irgendetwas war anders! In den Monaten zuvor hatte ich immer eine Temperaturkurve geführt und wusste somit, dass die Basalttemperatur (die Temperatur beim Aufwachen) in der 2. Zyklushälfte erhöht ist, wenn ein Eisprung stattgefunden hat (die Temperatur steigt aufgrund des Gelbkörperhormons), also fasste ich den Beschluss, montags (der 13.04.) die Temperatur zu messen und wenn sie wirklich oben ist, würde ich einen Schwangerschaftstest machen, einfach damit ich aufhöre mir Hoffnungen zu machen.
Gesagt, getan und die Temperatur war oben, weit oben! Ich war irritiert, sagte der Arzt doch, ich hätte keine Chance auf einen Eisprung diesen Zyklus und jetzt hatte anscheinend doch einer stattgefunden! Also machte ich, wie ich mir vorgenommen hatte, den Test und nach zwei Minuten stand da „schwanger 1-2“. Ich konnte meinen Augen nicht trauen!

Als ich nach Feierabend zum Gynäkologen ging, meinte der gleich vorweg, ich könne nicht schwanger sein und es sei sicher eine Hormonstörung. Der Test bei ihm war negativ (eh klar, bei wässrigem Abendurin) und am Ultraschall war nichts zu sehen (zu einem so frühen Zeitpunkt auch unmöglich). Trotzdem schickte er mich zur Blutuntersuchung. Einfach um abzuklären, was meinen Körper so durcheinandergebracht hatte. Aber der Bluttest am nächsten Tag bestätigte: SCHWANGER! Und dem Wert zufolge war der Eisprung wohl genau am 1.4. – dem Tag, als der Arzt mir mitteilte, ich solle den Zyklus abschreiben. Es scheint mir fast so, als wollte mein Körper dem Arzt trotzen!

Die nächste Woche konnte ich mich nicht wirklich freuen. Das alles hatte so komisch begonnen, die Stimmung war gedrückt.
Am 21.04. war ich dann wieder beim Arzt und dieses Mal konnte man eine Fruchthöhle erkennen – somit war eine Eileiterschwangerschaft ausgeschlossen. Trotzdem blieb die große Freude aus.
Am 30.04. dann der nächste Termin. Minutenlang war die leere Fruchthöhle zu erkennen, aber kein Embryo zu sehen. Mein Mut sank und man merkte dem Arzt an, dass er wie ich ein Windei vermutete. Nach rund fünf Minuten, als der Arzt gerade aufhören wollte zu schallen, zeigte sich das Kleine aber und man konnte sogar schon das Herzchen blubbern sehen! Ich schwöre, das waren die längsten fünf Minuten meines Lebens!

Von da an, war mein Gefühl ein besseres. Ich wusste, ein Kind, das es unter so schlechten Voraussetzungen schafft, sich einzunisten, ist stark und gesund! Natürlich hatte ich immer wieder Anflüge von Pessimismus, träumte teilweise schlecht und bangte um mein Kleines, aber tief in mir drinnen wusste ich, dass alles gut war.
Die letzte kleine Angst wich am Mittwoch, wo uns beim Termin bestätigt wurde, dass das Kleine zeitgerecht entwickelt und gesund ist. Es zeigte sich von seiner besten Seite, lutschte am Daumen und verriet sogar, dass es wahrscheinlich ein Mädchen wird. Ich hatte mich sehr auf diesen Termin gefreut, wusste, dass es wunderbar werden würde, aber das Kleine erstmals so gut zu sehen, hat all meine Erwartungen übertroffen. In mir wächst ein kleiner Mensch und das Gefühl, diesen zu sehen und zu wissen, dass es ihm gut geht, ist das allerschönste Gefühl, das ich je hatte. Seither ist nichts mehr so, wie es einmal war. Ich sehe die Welt mit anderen Augen. Ich habe noch nie jemanden so sehr geliebt, wie dieses Kind. Dieses Gefühl können wohl nur Eltern nachvollziehen und ich wünsche jedem, der sich Kinder wünscht, vom Herzen, diese wunderbare Erfahrung zu machen.

Ich habe mit ausgewählten Freunden immer offen über meinen Kinderwunsch gesprochen und auch über meine Fruchtbarkeitsstörung. Ich bin jetzt zwar auf natürlichem Weg, ohne Stimulation schwanger geworden, aber ich hätte auch offen darüber gesprochen, wenn wir der Natur etwas auf die Sprünge geholfen hätten. Es ist immer noch ein Tabu-Thema. Viele Frauen sprechen nicht darüber, behaupten, sie wären auf ganz normalen Weg schwanger geworden, weil sie sich dafür schämen. Das finde ich sehr traurig, denn es ist nichts, für das man sich schämen muss. Außerdem hilft es anderen Frauen, die in derselben Situation sind, wenn sie sehen, dass sie nicht alleine sind. Gleiches gilt natürlich für Männer mit einer eingeschränkten Fruchtbarkeit.
Mir ist klar, dass Fruchtbarkeit ein sehr sensibles und vor allem auch privates Thema ist. Es ist nur verständlich, dass man nicht mit jedem darüber sprechen möchte und sollte man auch nicht. Aber gerade im Freundeskreis und innerhalb der Familie sollte man darauf vertrauen können, dass man verstanden wird. Es tut einfach gut, wenn man mit jemandem über seine Sorgen sprechen kann.

Die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe, ist wieder an meinen Körper zu glauben. Ihn nicht in Frage zu stellen, sondern zu unterstützen und darauf zu vertrauen, dass er es schaffen kann.

7 Kommentare

  1. Find ich toll, dass du so offen drüber sprichst. Und musste jetzt sogar ein bisschen heulen, weil der Artikel so emotional war.

  2. Danke für diesen offenen Beitrag. Ich denke, dass er nicht nur anderen Betroffenen hilft, sondern überhaupt hilft besser zu verstehen und mehr Verständnis für die Sorgen und Nöte anderer Menschen zu haben.

    Und natürlich freue ich mich sehr für dich! <3

    • Noch vor einem Jahr konnte ich mir selber nicht vorstellen, wie es ist, wenn der Traum vom Wunschkind in die Ferne rückt. Wie sehr das einen in den Bann zieht und nach unten reißt. In Österreich bleibt jedes fünfte Paar ungewollt kinderlos (die Zahlen sind anderswo sicher vergleichbar) und trotzdem wird über das Thema wenig gesprochen. Dadurch wird auch oft sehr unsensibel damit umgegangen – meine Kollegen witzelten oft, wann ich denn nun schwanger werden würde (sie wussten nichts von unserem Kinderwunsch und meinten es nicht böse) und hatten natürlich keine Ahnung, dass sie mich damit jedes Mal mitten ins Herz trafen und ich konnte und wollte auch schwer etwas sagen. Ich hoffe, mit dem Beitrag wenigstens ein, zwei Menschen für das Thema sensibilisierst zu haben.

  3. Ich habe letztes Jahr mein Kind kurz nach der Geburt verloren (Extremfrühchen). Es ist verdammt schwer. Ich denke in meinen Trauperphasen oft an die Eltern, die gar nicht schwanger werden können. Sie haben mindesten genauso viel Aufmerksamkeit wie Sterneneltern verdient! <3

    • Das tut mir unvorstellbar leid für Dich. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für deine Trauer! Es ist bewundernswert, dass Du in dieser schweren Zeit trotzdem noch an anderen denkst und Dir Gedanken machst, wie sie sich fühlen.

  4. Hallo Tanja!
    Ich bin gerade auf FB nach langem erstmal wieder auf deine Seite gestoßen..ich habe schon immer gerne deine Texte gelesen, weil sie so ehrlich und schön geschrieben sind und weil sie sich immer auf Themen beziehen, die wichtig sind einmal anzusprechen und auch welche sind, über die sich viele Leute Gedanken machen, sie aber nicht aussprechen.
    Wollte ich nur mal gesagt haben 😉

    Zudem habe ich gerade erst mitbekommen das du Schwanger bist..ich wünsche dir/euch alles erdenklich Gute und viel Gesundheit für die Kleine und eure neue Familie! 🙂

    Ganz Liebe Grüße,
    Anita L.

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