Und was ist mit den Männern?

Letztens habe ich ausführlich über den Kinderwunsch und meine Erfahrungen berichtet. Der Beitrag hat sich eigentlich auf mich und meine Gefühlswelt beschränkt. Aber nicht nur für mich war es ein Auf und Ab, sondern auch für meinen Partner und deswegen möchte ich heute ein paar Worte über Männer in der Kinderwunschzeit und während der Schwangerschaft verlieren.

Es ist nachgewiesen, dass Männer im Bezug auf den Kinderwunsch deutlich positiver eingestellt sind als Frauen. Ich weiß nicht, woher das kommt, vielleicht, weil sie einfach überzeugter von sich sind und somit glauben, dass es sicher klappen wird. Frauen verlieren da viel schneller die Zuversicht und haben deutlich häufiger Phasen der Verzweiflung. Die Männer sitzen dann irgendwie zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite sind sie immer noch überzeugt, dass es mit dem Nachwuchs bald klappen wird und auf der anderen Seite sorgen sie sich um ihre Partnerinnen. Ein „ach komm schon, es wird schon klappen“, ist von ihnen aufmunternd gemeint, doch als Frau fühlt man sich dann missverstanden. Man hat das Gefühl, dass die eigenen Sorgen nicht ernst genommen werden. Diesen Missmut lässt man dann am Mann aus und dann fühlen sich beide schlecht.
Auch wir haben lange gebraucht, bis uns jeweils klar war, wie es dem anderen geht und wir das entsprechende Verständnis aufbringen konnten. Ich kann diesbezüglich nur eines raten: Redet miteinander und das oft! Sprecht über Eure Sorgen, aber auch über die Worte, die Euch verletzt haben.

Sobald Frau schwanger ist, ändert sich plötzlich aber die Situatio. Die Frau wird aufgrund der Hormonlage entspannter und der Mann zunehmend unsicherer. Er macht sich Sorgen, ob die Finanzen ausreichen, ob er ein guter Vater sein wird, was es noch alles zu erledigen gibt und vieles mehr.
Mein Partner ist generell ein sehr, sehr optimistischer Mensch und er hat sich auch nichts von seinen Sorgen anmerken lassen und wenn meine Schwester mir nicht gesagt hätte, dass werdende Väter oft durchdrehen, hätte ich ihn vielleicht nie darauf angesprochen.
Natürlich haben wir darüber geredet, wie das alles wird, was es noch zu erledigen gibt und wie es uns geht, aber er hat mit keinem Wort seinen Kummer erwähnt. Aus Rücksicht. Aus falscher Rücksicht. Erst als ich ihn gedrängt habe, mir zu sagen, ob den wirklich alles in Ordnung sei, hat er mir sein Herz ausgeschüttert und seither sprechen wir offen darüber. Viele Sorgen konnten wir schon im Keim ersticken.

Die Aufmerksamkeit dreht sich bei einer Schwangerschaft immer um die Frauen, dabei steht auch den Männern eine große Veränderung bevor. Noch dazu haben sie den Nachteil, nicht schwanger zu sein, sie sehen zwar den Bauch wachsen, spüren aber selber nichts davon. Das Wunder Mensch ist für sie somit noch viel unbegreiflicher als für Frauen.

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